Ich ess' Blumen
Da in letzter Zeit keine großen Ausflüge mit spannenden
Geschichten und schönen Fotos auf dem Plan standen, kann ich mich endlich einem
meiner Lieblingsthemen widmen: Essen! Die Fotos sind völlig unpassend, aber die
schönen Herbsteindrücke wollte ich niemandem vorenthalten. Die enorme
Text-Bild-Schere ist mir also bewusst, auch wenn es sie nicht besser macht.
| Die Uhr, welche alle Stunde die Schulhymne spielt. |
Doch nun zum Thema. Eine Küche habe ich hier leider nicht, so dass sich meine Kocherfahrungen darauf beschränken, mir Anregungen bei „Cooking for Geeks“ zu holen. Jetzt weiß ich endlich, wie man den Gestank von hölzernen Schneidebrettern los wird: Zitronensaft und Salz neutralisieren den Geruch. Ein Feldtest steht noch aus, aber den wird es spätestens in Deutschland geben.
Mangels eigener Küche habe ich hier einen sogenannten Meal Plan, was bedeutet, dass ich mir täglich in der Mensa den Bauch vollschlage. Der Großteil der Mensen ist All you can eat, was Vor- und Nachteile hat. Am Anfang war ich von der schieren Auswahl überwältigt und habe alles probiert. Mittlerweile weiß ich aber, was genießbar ist und wovon man besser die Finger lässt. Meine Portionen haben sich entsprechend angepasst. Und ich habe herausgefunden, wo Essig und Öl stehen, so dass ich nicht mehr auf die Fertigsalatsoßen angewiesen bin. Ein großer Fortschritt!
Das Mensaessen führt dazu, dass einige Basislebensmitteln ganz oben auf meiner Vermisstenliste stehen. Gescheite Nudeln sind nicht zu haben, aber das ist ja grundsätzlich ein Problem, wenn große Mengen Pasta zubereitet werden müssen, die dazu noch eine Weile herumstehen und warmgehalten werden. Lüneburger Mensanudeln sind nicht besser als hier. Salzkartoffeln gibt es auch nicht. Ab und an habe ich das Glück, über nichtfrittierte Kartoffeln in Form von Folienkartoffeln zu stolpern. Die Gemüseauswahl ist auch gewöhnungsbedürftig. Bohnen in allen Formen sind äußerst beliebt, die verschiedenen Gemüsemischungen, die hier aufgetischt werden, kommen nie ohne die grünen und roten Genossen aus. Ab und an ist das ja auch lecker, aber jeden Tag brauche ich sie wirklich nicht.
Selbst so scheinbar universelle Dinge wie Pizza sind
kulturellen Schwankungen unterworden. Amerikanische Pizza hat grundsätzlich
einen viel dickeren Teig und noch mehr Käse. Wirklich italienische Pizza mit
knusprigem Boden und einer angemessenen Menge Mozzarella ist eine Rarität. Ab
und an ist amerikanische Pizza wirklich lecker, aber auf Dauer wünsche ich mir
doch einen guten Italiener um die Ecke.
Das Einkaufen von Lebensmitteln hält auch einige Tücken bereit. Wie ein Ochs vorm Berg stand ich am Kühlregal und habe Vollfettmilch gesucht. Manchmal wird sie auch tatsächlich unter dem Namen „Whole Milk“ verkauft, da aber Fett grundsätzlich böse ist, hat man sich einen anderen Namen ausgedacht: „Vitamin D-Milk“. Hier wird der Milch grundsätzlich Vitamin A und D zugesetzt, da kann man sie anscheinend auch danach benennen.
Damit sind zwei große Nahrungsmittelobsessionen angesprochen: Fettgehalt und Zusatzstoffe. Dinge, die üblicherweise Fett beinhalten, werden ihres Besten beraubt, in dem man nur Varianten mit ohne anbietet. Joghurt mit mehr als 1% Fett habe ich auch nach langem Suchen nicht gefunden, üblicherweise kommt er ganz ohne aus. Am verwunderlichsten ist griechischer Joghurt. Dieser ist angeblich besonders gesund, da er doppelt so viel Protein wie normaler Joghurt hat und dazu noch völlig OHNE Fett ist. Da ich mir nicht vorstellen kann, dass das schmeckt, habe ich um ihn bisher einen großen Bogen gemacht. Die Logik ist wohl, dass man das eingesparte Fett dann durch den Genuss von Burgern, Pommes und Eiscreme wieder ausgleichen kann. Da verwundert es auch nicht, was das Hauptverkaufsargument bei Wasser ist. In Deutschland sind es die besonderen Spurenelemente oder ein grinsender Michael Schuhmacher, der das hervorragende 2:1 Verhältnis von Calcium und Magnesium anpreist. Hier ist es der Fakt, dass jede Portion Wasser genau 0 Kalorien enthält. Das wird besonders groß auf die Flaschen gedruckt.
Das zweite große Thema sind die angeblich gesunden Zusatzstoffe. In fast allem lassen sich zusätzliche Spurenelemente, Vitamine oder Wunder versprechende Chemie finden. Was „Enriched Wheat Flour“ ist, will ich gar nicht so genau wissen. In den Mensen ist das „Enhanced Water“ in knallig bunten Farben und den Geschmacksrichtungen Wassermelone, Kiwi, und sonstigen wenig natürlich klingenden Dingen, der neueste Schrei.
Eine meiner größten Sorgen hat sich allerdings nicht
bestätigt: Man muss nicht nur von trocken Brot und Wasser leben, wenn man
Fleisch aus dem Weg geht. Sogar die Mensen haben sich auf Vegetarier
eingestellt. Angeblich sind etwa 18% der Collegestudenten in den USA Vegetarier,
was das relativ breite vegetarische Angebot nachvollziehbar macht. Fast alles
kann man ohne Fleisch bestellen, oder man umgeht eben die Chicken Nuggets und
Rippchen. Meist gibt es in der Mensa auch eine von zwei Veggieburgervarianten,
von der zumindest eine unverschämt lecker ist. Besonders nett finde ich die
„Vegetarian Chicken Nuggets“ – werden da vegetarische Hühner verarbeitet? Wie
auch in Deutschland ist die Auswahl fleischloser Sandwiches nicht riesengroß.
Die Subway-Verschnitte in zwei Mensen haben aber eine relativ große Auswahl an
Käsesorten und man kann sich seinen Belag zusammenstellen. Der Schweizer Käse
ist zwar lachhaft geschmackslos, aber immerhin kommt er annähernd an Emmentaler
heran. Außerdem habe ich gelernt, dass quietschgelber Cheddar delikat sein kann,
wenn es denn guter ist. Da fehlt dann nur gutes Bauernbrot, bei dem nicht „High
Fructose Corn Syrup“ bzw. Zucker die zweite Zutat ist, und das Festmahl ist
perfekt.
| Mein Wohnheim - das höchste Gebäude im gesamten Kreis. Ja, darauf ist man stolz. |
Verhungert bin ich bisher noch nicht, und auch wenn mir das
Mensaessen langsam zum Hals heraushängt, wird das auch in den nächsten zwei
Monaten eher nicht geschehen.
Darauf ein Wohl bekomm’s!


2 Kommentare:
Hehe Christine du machst bald Bill Bryson Konkurrenz, sehr cooler Beitag ;-)
Kussi Anja
14. Oktober 2011 um 14:23
Wo Veggie draufsteht, muss nicht gesund drin sein. Der entsprechende Burger von McDonald's hat 381 kcal auf den Rippen, während ein Hamburger mit 255 auskommt.
Und dann schmeckt der Gemüseklumpen nicht mal – die Mensa hat aus Hirse und Käse bessere Brätlinge gezaubert. Andererseits bekomme ich 36 Prozent mehr Energie fürs eingesetzte Geld, bei akutem Hunger nicht zu unterschätzen.
19. Oktober 2011 um 07:23
Kommentar veröffentlichen
Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]
<< Startseite